Essbarer Quadratmeter

Namensgeber ist eigentlich die „essbare Stadt", aber meistens fängt man ja klein an, also erst mal der "Essbarer Quadratmeter" – das Projekt eines Gemeinschaftgartens im Langener Nordend.


Initiator Udo Rach und mittlerweile fast 30 Bürgerinnen und Bürger setzen mit großem Engagement ihr Nachhaltigkeitsprojekt um. 

Sie  wollen andere Wege gehen und innerstädtischen Grünräumen neue Funktionen zukommen lassen. Die Bevölkerung soll hierdurch auch mehr für das öffentliche Grün sensibilisiert und in die Nutzung und Pflege eingebunden werden.

Ein Eigentümer stellt freundlicherweise für drei Jahre sein Baugrundstück zur Verfügung, damit motivierte Bürgerinnen und Bürger sich für den Lebensraum in der eigenen Stadt einsetzen, Beete oder Hochbeete anlegen und bis zur Ernte pflegen und betreuen.


Udo Rach dazu:

"Wir wollen uns damit einsetzen: Für die Umwelt. Jedes Grün, mit Ausnahme von gepflegtem Rasen, ist wichtig für Insekten, Vögel, andere Lebewesen und für die Luft, die wir atmen."


Und ein weiterer Aspekt – ob Kleinstadt oder Metropole, die Existenz jeder Stadt ist seit jeher abhängig von der Versorgung mit

Lebensmitteln. Das scheint aber für unsere Gesellschaft heute keine wichtige Rolle mehr zu spielen: Lebensmittel sind einfach da.


Projekte wie Gemeinschaftsgärten, »essbare Städte«, Kooperationen von Bürgern mit Landwirten und andere Ernährungsprojekte versuchen diesem Desinteresse etwas entgegenzusetzen - das möchte auch der "Essbare Quadratmeter". Hier können Kräuter, Salate, Gurken, Tomaten, Kürbisse, Zwiebeln u.v.m. gepflanzt werden.

Aktuelles:

Juli 2020:
Ein Grundstück, das früher mehrere Male im Jahr gemäht werden musste, wird nun von 28 Gärtnern bepflanzt, geerntet und gepflegt. 

10 Eltern sind stolz, ihren Kindern die Pflanzenwelt zu zeigen und bieten Erlebnisräume in der Natur und Wahrnehmung der dabei bestehenden natürlichen Zusammenhänge. Begeistert sind die Kinder, wenn sie das Wachstum der Pflanzen verfolgen können.



Die Größe der Parzellen, die jeder Gärtner nach seiner Eignung aussuchen konnte, schließt
eine Überforderung aus. Inzwischen sind alle Flächen vergeben.

Für Senioren wurden viele Hochbeete errichtet, dadurch sind sie nicht von der Gartenarbeit
ausgeschlossen. Jeder, der sich rechtzeitig zu diesem Projekt angemeldet hatte, konnte sich
eine noch freie Parzelle, bzw. Hochbeet aussuchen.

Es haben sich dadurch inzwischen auch Freundschaften im Quartier gefunden. Es wird viel über Persönliches und noch mehr über Gartenarbeit geredet. Eine Messengergruppe wurde eingerichtet, die regelmäßig Nachrichten ausgetauscht.

Viele Hände helfen bei allgemeiner Arbeit und auch die Wasserversorgung wurde
perfektioniert. Viele Passanten bleiben am Zaun stehen und wollen Auskünfte zu dem
Projekt bekommen.

August 2020:
 
Tipps und Ratschläge nehmen wir gerne an, weil wir unsere gärtnerischen Kenntnisse erweitern wollen. 

Einen außergewöhnlichen Tipp bekamen wir von Zaungästen – sie boten uns Schafwolle aus dem Odenwald zum Mulchen an. Seit Urzeiten wird grobe, ungewaschene Schafwolle zum Düngen und Mulchen von Gärten, Feldern und Äckern verwendet. Wolle enthält große Mengen an Nährstoffen wie Schwefel, Kalium, Stickstoff und 

Phosphor. Durch die Struktur der Wolle werden diese Nährstoffe langsam, aber kontinuierlich an den Boden und die Pflanzen abgegeben. Zudem ist Schafwolle ein sehr guter Wasserspeicher, da sie ein Vielfaches ihres Eigengewichts aufnehmen kann. 


Schafwolle ist ein Bodenverbesserungsmittel, da sie die Bodenstruktur ausgleicht, den Boden feinkrümelig hält und für Humusbildung sorgt. 

Gleichzeitig verbessert sich durch Pflanzungen die Durchwurzelung des Bodens, durch die das Einsickern von Regenwasser begünstigt und 

das Grundwasser angereichert wird. Somit können wir der Austrocknung des Bodens entgegenwirken. Auch die Speicherkapazität von Kohlendioxid und das Vermögen, Partikel und Schadstoffe aus der Luft zu filtern, sind bei höherem und langlebigerem Pflanzenaufwuchs größer, als bei Rasen oder vegetationsarmen Flächen. 

 Nach geraumer Zeit wird die Schafwolle zu Kompost. Es ist soviel Schafswolle bei den Erzeugern vorhanden, dass ein Großteil verbrannt werden muss. 

Voller Stolz können wir auch berichten, dass die erste Ernte eingebracht wurde. Salate, Zucchini, Gurken, Radieschen. Möhren, Tomaten und vieles mehr bereichern nun die Küche unserer Hobbygärtner. 

Wasser ist in den aktuell heißen Zeiten leider Mangelware. Im Schnitt müssen unsere Tanks

einmal in der Woche mit 3-4 m³ aufgefüllt werden. 

Mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein 1877 e.V. haben wir ein interessantes Projekt gestartet und dem Verein drei Quadratmeter Fläche  zur Bepflanzung einer Musterbaumscheibe zur Verfügung gestellt. Nach diesem "Muster" sollen in Zukunft Pflanzbeete in der Innenstadt gestaltet werden, das Projekt erhält auch von Seiten der Stadt Langen großes Interesse.